ichperle62021

Es ist nach wie vor faszinierend, wie sich die Kinder unsere Sprache aneignen. Dabei probiert jedes für sich in seiner individuellen Lernstrategie aus, wie sie funktioniert, was sie beim anderen bewirkt und welche Mittel sie braucht. Grundlegend sind dabei bei allen zwei Bedürfnisse: zu den anderen dazuzugehören und auch von ihnen als Individuum akzeptiert und verstanden zu werden. In beiden wird das anscheinend urmenschliche und schon ewig thematisierte Dilemma deutlich - Autonomie und Heteronomie - Stelbstbestimmung und Fremdbestimmung - ich und wir.

Die Sprache braucht dabei eine ganze Reihe von Voraussetzungen, die schon im Mutterleib gebildet, geformt und sogar geübt werden. Der Hör-, Bewegungs- und Tastsinn und die Verarbeitung, Organisation bzw. Differenzierung der wahrgenommenen Informationen reichen bis weit in die Kindheit hinein. Das Sprachverständnis erwacht ungefähr im 9. Lebensmonat, lange bevor das erste Wort gesprochen wird. Die Sprechwerkzeuge - Lippen, Zähne, Zunge, Mundhöhle - sowie die eigene Stimme, die Gestik und Mimik brauchen Zeit, um in ihrer Beschaffenheit und zur Kontaktaufnahme mit anderen entdeckt und benutzt zu werden.

Da wir eine Kita für Ü-3 Kinder sind, können schon alle Kinder sprechen, die zu uns kommen. Manche 3jährigen nutzen erst Zwei- oder Dreiwortsätze ("Mama kommt?" bzw. "Wann kommt Mama?"), andere erzählen vom Wochenende bei Oma und Opa oder der Fahrt nach Holland und den Meerschweinchen. Die einen nutzen dabei Wörter aus ihrer Muttersprache, die anderen beschreiben "mit Händen und Füßen", wie schwer es war, den Bollerwagen durch den Sand zu ziehen. Bei wieder anderen geht es grammatikalisch drunter und drüber oder es "fehlen" Begriffe. In allen Fällen und unabhängig von der lautsprachlichen Kompetenz gilt es, sich als Zuhörende auf das Kind und seine Geschichte einzuschwingen, um sie nachvollziehen zu können, Inhalte aufzugreifen und einen gemeinsamen Aufmerksamkeitsbezug herzustellen und ihn aufrechtzuerhalten. Hier kommen weitere Aspekte der Sprache und Kommunikation im pädagogischen Kontext hinzu: die ErzieherIn-Kind-Interaktion und -Beziehung.

Manchmal hilft es, sich auf Augenhöhe des Kindes zu begeben und abzuwarten, bis der eine wichtige Begriff auf der Zunge angekommen ist und sich dann zusammen mit dem Kind zu freuen, dass es ihn gefunden hat.

Sollten Sie daran interessiert sein, wie wir im pädagogischen Alltag den Bildungsbereich Sprache und Kommunikation umsetzen, ist hier ein Konzeptionsauszug verlinkt:  Bildungsbereich Sprache und Kommunikation